Home / Geschichten zum Herzerwärmen 4

Geschichten zum Herzerwärmen 4



Unsere Geschichte mit Mahmud

Als Franz und ich das erste Mal beim Kulturcafé waren, ist neben uns ein syrischer Flüchtling gesessen und hat uns begrüßt: „Ich bin Mahmud. Wie geht es dir?“ Irgendwann an diesem Nachmittag hat er gefragt, ob ich ihm denn nicht beim Deutsch lernen helfen könne. Ich habe ihm vorgeschlagen, dass er zu uns kommt – das war der Beginn einer Freundschaft. Seither kommt Mahmud immer wieder zu uns – nicht ganz regelmäßig, wir machen es uns immer wieder aus, wenn es passt. Dabei ist Mahmud sehr zurückhaltend, schon nach einer, spätestens zwei Stunden meint er, er müsse nach Hause – er möchte uns nicht belasten. Da nützt es nichts, wenn wir ihm sagen, dass wir uns freuen, wenn er da ist und er gerne mehr Zeit bei und mit uns verbringen könne. Anfangs ist in unseren Begegnungen das Deutschlernen im Vordergrund gestanden – er hat jede Gelegenheit genützt, seine Fähigkeiten zu verbessern. Mir hat er viele Fragen gestellt – Fragen, die bei mir als Nicht-Deutsch-Lehrerin oft auch Verwunderung über den Aufbau unserer Sprache ausgelöst haben. Jetzt kann Mahmud schon recht gut Deutsch, wir unterhalten uns fließend.

In den Monaten seither haben wir uns kennengelernt, er ist ein sehr kluger, willensstarker und sensibler Mensch und gleichzeitig sehr sportlich – Schach und Basketball sind seine Leidenschaften. Eigentlich wäre er auch recht positiv und fröhlich, doch wie ein Schatten hängen seine Erlebnisse und seine schwierige Lage über ihm. Ich erlebe seine Verbundenheit und Liebe, wenn er von seiner Familie erzählt, seine Sehnsucht, seine Angst, seine Trauer und Verzweiflung bei der Nachricht, dass ein Verwandter im Krieg umgekommen ist… Nachrichten aus den Kriegsgebieten bekommen eine andere Bedeutung, wenn man jemanden kennt: Ich weiß ungefähr, wo in Syrien Mahmuds Familie lebt und es ergreift mich Panik, wenn von Kampfhandlungen in diesen Gebieten berichtet wird.

Wir haben Mahmud auch eingeladen, wenn Freunde zu Besuch waren. Das ist eine Bereicherung für beide Seiten: Mahmud lernt Menschen kennen, knüpft Kontakte und spielt immer wieder einmal eine Partie Schach – doch noch niemand hat gegen ihn gewonnen. Unsere Freunde, die das Thema „Flüchtlinge“ eher aus den Medien kennen, bekommen einen ganz neuen Bezug dazu. Wir hören die Nachrichten, sehen die Bilder vom Krieg, lesen die Zahlen der Opfer – doch unsere Betroffenheit ändert sich, wenn wir erleben, dass hinter diesen Zahlen Menschen sind, die ein Gesicht haben, eine Geschichte, Erwartungen, Wünsche, … die lieben und geliebt werden.

Mahmud hat nun endlich seinen positiven Asylbescheid bekommen und den Antrag auf Familienzusammenführung gestellt. Wir hoffen, dass seine Familie bald nachkommen kann. Miteinander freuen wir uns auf den Tag, an dem seine Familie hier und in Sicherheit sein wird – da werden wir gemeinsam ein Fest feiern!

Andrea Froschauer-Rumpl

++++++++++++++++++++

TEIL 5 folgt nächsten Sonntag. Wenn auch Sie im Rahmen einer Flüchtlings-Patenschaft einen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Nigeria oder Somalia näher kennenlernen, etwas gemeinsam unternehmen und mit ihm/ihr Deutsch sprechen möchten, können Sie sich jederzeit bei Fr. Pohn, unserer Sozialarbeiterin im Flüchtlingswohnhaus Schwanenstadt, melden (0676/87347127, ursula.pohn@volkshilfe-ooe.at)
Vielen Dank!

 

mahmud3 mahmud2


  • Share Post

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *