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Geschichten zum Herzerwärmen 5



Ein kleines Stück Familie

Mitte Juni bekam ich einen Anruf von Ursula (Volkshilfe), dass Mohamed, ein 18-jähriger Flüchtling aus Somalia, bei ihr im Büro sitzt und sehr traurig ist. Sie fragte mich, ob ich mit ihm einmal etwas unternehmen könnte. Ich hab mich dann spontan entschieden mit ihm Essen zu gehen. Beim ersten Treffen haben wir uns noch mit Händen und Füßen unterhalten.

Ein paar Tage später habe ich ihn zu uns nach Hause zum Baden eingeladen. Da Ferien waren, war unsere jüngste Tochter Laura auch zu Hause und wir hatten großen Spaß miteinander. Mohamed war sehr fröhlich an diesem Tag und ich hatte das Gefühl, dass es ihm sehr gut tat einmal ein wenig Abwechslung zu haben. Beim ersten Besuch bei uns habe ich auch Ahmed, seinen Zimmerkollegen, eingeladen, damit es ein bisschen leichter ist mit uns zu kommunizieren. Ahmed hat zu diesem Zeitpunkt schon ein wenig Deutsch gesprochen und übersetzte, so gut es ging. An diesem Tag habe ich das erste Mal in meinem Leben etwas Somalisches gebacken. Es hat ihnen sehr gut geschmeckt – haben sie jedenfalls freundlicher Weise gesagt „smile“-Emoticon

Von da an ist der Kontakt immer intensiver geworden. Laura und ich sind mit Mohamed einmal nach Gmunden gefahren, da war er total begeistert davon, wie schön es bei uns ist. Vor Rokko, unserem Hund, hatte er am Anfang große Angst, aber inzwischen sind sie dicke Freunde geworden und Mohamed nimmt ihn sogar an der Leine, wenn wir spazieren gehen. Manchmal gehen wir gemeinsam einkaufen, um dann mit dem Gekauften etwas zu kochen. Das macht ihm großen Spaß! Er liebt Musik und es gefällt ihm, wenn ich ihm etwas vorsinge. Vielleicht schaffen wir es einmal, gemeinsam ein Lied zu singen. Ob auf Deutsch oder Somalie… schauma mal. Fußballspielen ist eine Mohameds großer Leidenschaften. Er darf seit ein paar Monaten in Holzleithen mittrainieren. Leider ist momentan Winterpause.

Da er immer erst sehr spät einschlafen kann und er in der Früh dann so gut schläft, dass er trotz Wecker nicht munter wird, versuche ich seit ein paar Wochen ihn so oft wie möglich aufzuwecken und ihn zu ermuntern in den Deutschkurs zu gehen.

Ich bin selber ohne Mutter aufgewachsen, daher bin ich immer sehr gerührt, wenn er mich mit „Mum“ anspricht oder mich mit „My Mum“ vorstellt. Er ist nun schon seit 2 Jahren von zu Hause weg. Es ist für mich unvorstellbar sein Kind so lange nicht sehen zu können und zu wissen, dass es ganz auf sich alleine gestellt ist. Mohamed ist wirklich ein sehr netter, dankbarer, bescheidener und freundlicher junger Mann. Ich hab ihn gleich ins Herz geschlossen.

Für mich sind unsere Begegnungen eine große Bereicherung, auch wenn es manchmal zeitlich ein wenig eng ist, aber ich denke es ist einfach wichtig diesen Menschen ein wenig Geborgenheit und Heimat zu geben.

Maria Keiblinger

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Wenn auch Sie im Rahmen einer Flüchtlings-Patenschaft einen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Nigeria oder Somalia näher kennenlernen, etwas gemeinsam unternehmen und mit ihm/ihr Deutsch sprechen möchten, können Sie sich jederzeit bei Fr. Pohn, unserer Sozialarbeiterin im Flüchtlingswohnhaus Schwanenstadt, melden (0676/87347127, ursula.pohn@volkshilfe-ooe.at)
Vielen Dank!

 

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