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Geschichten zum Herzerwärmen 2



Wenn jeder einen an der Hand nimmt…

Im Juni lernten wir am Fest der Kulturen über Ursula Pohn und ihre Idee der Patenschaften den Syrer Schiko (gesprochen Schicho) kennen. Regelmäßig einmal pro Woche treffen wir uns seither entweder im Flüchtlingshaus (bei Regen) oder bei uns daheim (bei Schönwetter, denn wir wohnen 3 km außerhalb von Schwanenstadt und er fährt mit dem Rad zu uns).

Wir schreiben deutsche Wörter und Sätze auf, lesen einfache Texte und kommunizieren mit Händen und Füßen (und Google-Übersetzer) über Gott und die Welt, Österreich und Syrien, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede – da gibt es viel zu staunen und es wird viel gelacht. Oft ist die Sehnsucht nach Zuhause und der Familie spürbar, Schiko zeigt uns immer wieder Fotos von seinen Eltern und den 8 Geschwistern, die ihn in Aleppo sehr vermissen. Auf den Bildern ist zu sehen, wie die Menschen trotz Krieg und Zerstörung versuchen einen „normalen“ Alltag aufrechtzuerhalten, manche Videos lösen in uns eine Bestürzung aus, die unbeschreiblich ist.

Auf Ausflügen ins Salzkammergut ist Schiko immer begeistert von der Schönheit unseres Landes, am Traunsee meinte er, dass er sich genau so Österreich vorgestellt hat. Er stellt viele Fragen zum Umgang miteinander und ist einer der höflichsten Menschen, die uns jemals begegnet sind.

Im August durfte Yousef aus Traiskirchen nach Schwanenstadt übersiedeln, Schikos Familie hat ihn beauftragt, den „kleinen Cousin“ unter seine Fittiche zu nehmen. Seither radeln sie öfter zu zweit nach Pitzenbergholz. Yousef ist ein toller Fußballer, er spielte im Jugendkader von al-Ittihad of Aleppo, einer der erfolgreichsten Mannschaften der Syrischen Profiliga. Seit er 7 ist, spielt er Fußball, nebenbei half er in der Apotheke seines Onkels aus. Der ATSV Holzleithen freut sich seit ein paar Wochen über einen neuen Spieler.

Unsere Hunde lieben die beiden Streichelfreunde und umgekehrt, auch wenn Anu, unsere junge Wolfshündin, einmal während des Deutschlernens genüsslich Schikos Turnschuhe verspeist hat. „Kein Problem!“ Das ist sein absoluter Lieblingssatz. Beim Hundespaziergang an der Ager erzählte er, dass man bei ihnen zuhause nicht einfach in der Gegend herumspazieren kann – das wäre viel zu gefährlich. In Österreich findet er einfach alles gut, besonders die Polizei, dass sie den Menschen hilft.

Letzte Woche gab es gleich zwei glückliche Momente: Nach 11 Monaten war das Internet der Eltern in Aleppo erstmals wieder so stabil, dass ein Videotelefonat mit der Familie möglich war. Und Schiko hat nach über einem Jahr geduldigen Wartens endlich die Ladung zum Interviewtermin am BFA erhalten, wohin wir ihn natürlich begleiten werden.

Diese Freundschaft lehrt uns vor allem eines: Dankbarkeit dafür, dass wir in Frieden leben dürfen. Sie ist eine enorme Bereicherung – und Hände und Füße braucht man mit der Zeit immer weniger.

Ines & Robert Friedmann

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TEIL 3 folgt nächsten Sonntag. Wenn auch Sie im Rahmen einer Flüchtlings-Patenschaft einen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Nigeria oder Somalia näher kennenlernen, etwas gemeinsam unternehmen und mit ihm/ihr Deutsch sprechen möchten, können Sie sich jederzeit bei Fr. Pohn, unserer Sozialarbeiterin im Flüchtlingswohnhaus Schwanenstadt, melden (0676/87347127, ursula.pohn@volkshilfe-ooe.at)
Vielen Dank

 

Ines3 Ines2


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