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Wer betreibt das Flüchtlingswohnhaus in Schwanenstadt?

Das ehemalige „Koll“ Haus wurde von einer Privatperson an die Volkshilfe vermietet.  Die Betreuung der Bewohner wird von Fr. Ursula Pohn, Sozialarbeiterin der Volkshilfe, gewährleistet.

Wer wohnt nun im Wohnprojekt der Volkshilfe in Schwanenstadt?

Seit Dezember letzten Jahres waren es 45 Menschen, die in Schwanenstadt Zuflucht fanden. Das Wohnprojekt bietet Platz für 40 Personen und es ist derzeit voll belegt. Im Wohnhaus gibt es 2 Wohneinheiten für je 6 Personen und weiters aus 2-Bettzimmern. Die BewohnerInnen kommen aus Armenien, Syrien, Afghanistan, Somalia, Irak und Algerien. Drei Personen erhielten bereits einen positiven Bescheid, zwei einen negativen.

Warum wird man zum Flüchtling?

Bis ein Asylantrag positiv oder negativ entschieden ist, gilt die Person als Asylwerber und erhält in diesem Zeitraum eine Grundversorgung. In Schwanenstadt bedeutet dies, da es sich um ein Selbstversorgungsquartier der Volkshilfe handelt, dass Erwachsene EUR 5,50 pro Tag und Minderjährige EUR 121,– pro Monat erhalten. Davon sind Lebensmittel, Hygieneartikel, Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Telefongebühren etc. zu bezahlen.

Das Gesetz sieht beim Modell der Selbstversorgungsquartiere noch folgende jährliche Zuschüsse vor:

  • Bekleidung in maximaler Höhe von EUR 150,–in Form eines Gutscheines
  • Schulbedarf in der Höhe von EUR 200,–; dieser Betrag wird direkt von der Schule verwaltet

Asylwerber haben keinen Anspruch auf Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Sozialhilfe, Schulveranstaltungshilfe, Wohnbeihilfe, wie dies oftmals angenommen wird, jedoch sind sie krankenversichert.

 

Warum kommen so viele junge Männer?

Vor allem die Syrer würden zu Hause in den Wehrdienst eingezogen. Die Flucht ist der einzige Ausweg diesem brutalen Krieg zu entkommen. Würde man sie wieder zurückschicken, würden sie als Wehrdienstverweigerer verurteilt.

 

Warum lassen die Männer ihre Frauen und Kinder zurück?

Weil die Flucht für Frauen und Kinder einfach zu gefährlich und strapaziös und für die meisten auch nicht finanzierbar wäre. Die Flucht ist teuer 6000 – 8000€, das ist für viele alles was sie an Geld besessen haben. Die Flucht wird von Schleppern organisiert, d.h. Transporte in LKWs, versteckt, zusammengepfercht, oft tagelang ohne Essen, die Grenzen werden zu Fuß passiert, meist über die Berge in unwegsamen Gelände, übernachtet wird im Freien, ohne Schutz vor Regen oder Kälte.

 

Was passiert, wenn der Bescheid auf Asyl positiv ist?

Asylberechtigte dürfen noch für den Zeitraum von max. vier Monaten im Flüchtlingsquartier bleiben. In diesen vier Monaten müssen sie versuchen eine Wohnung und Arbeit zu finden und Dokumente zu beantragen. Ist eine Wohnung zugesichert, kann die bedarfsorientierte Mindestsicherung beantragt werden (ehem. Sozialhilfe). Ist der Bescheid auf Asyl negativ, ist mit einer Abschiebung in relativ kurzer Zeit zu rechnen.

Können die Frauen und Kinder nachkommen?

Ja, sobald die Männer einen positiven  Asylbescheid haben, können sie den Antrag auf Familienzusammenführung stellen. Das passiert meistens über das Rote Kreuz, kostet auch wieder Geld und kann Monate dauern. Die Person mit positivem Bescheid muß für die Wohnraumfinanzierung und den Unterhalt seiner Familie aufkommen. Wenn man mit diesen Männern ins Gespräch kommt, zeigen sie einem sofort einmal ihre Kinder, ihre Familie. Voller Stolz und auch voller Wehmut über die Trennung. Sie haben ihre Familie nicht freiwillig verlassen.

Warum haben so viele Flüchtlinge teure Handy´s?

Das Handy ist der einzige Kontakt mit zu Hause. Via Internet, skype, können sie ihre Familien auch sehen. Das ist auch der Grund, warum ein gutes Handy mit Internet-Zugang für die Flüchtlinge so wichtig ist. Einer sagte mir, das ist wie sein Herz, denn da hat er viele Erinnerungen von zu Hause mit.

Flüchtlinge als Gemeindearbeiter?

Asylwerber dürfen bestimmte Hilfstätigkeiten verrichten, insbesondere gemeinnützige Tätigkeiten in der Kommunalwirtschaft, z.B. Reinigung von öffentlichen Anlagen (Parks, Sportanlagen). Dabei handelt es sich um ein informelles Arbeitsverhältnis ohne Vertrag und es wird nur ein symbolischer Betrag von 3-5 Euro pro Stunde bezahlt.

Arbeit für Asylwerber?

Für Asylwerber ist keine unselbstständige Tätigkeit möglich, ausgenommen Saisonbeschäftigung in der Land- und Forstwirtschaft (ErntehelferInnen ) bzw. im Fremdenverkehr für eine Dauer von maximal 6 Monaten. Die Zahl der Arbeitsplätze ist beschränkt. Um einen solchen Arbeitsplatz zu bekommen, ist eine bestimmte bürokratische Prozedur erforderlich, und zwar muss der Arbeitgeber für die Person beim AMS (Arbeitsmarktservice) eine sog. Beschäftigungsbewilligung einholen. Dabei muss das AMS prüfen, ob der
Arbeitsplatz nicht durch österreichische Arbeitskräfte, EU-Bürger, bevorzugte Drittstaatbürger besetzt werden kann. Nur wenn dies nicht der Fall ist, kann die Arbeit an Asylwerber vergeben werden. Dann wird ein formeller Arbeitsvertrag abgeschlossen. Achtung: Bei Einkommen wird Grundversorgung für einen gewissen Zeitraum (je nach Höhe des Einkommens) gekürzt oder ganz gestrichen.